Studienkreis film

Das Kino der Ruhr-Universität Bochum

Liebe Kinofreunde,

 

aufgrund der Corona-Krise haben wir uns entschlossen, unseren Betrieb im Sommersemester 2020 nicht mehr aufzunehmen, auch wenn sich die Lage lockert. Wir denken, dass es unvernünftig von uns wäre unsere Türen zu öffnen, sobald die rechtliche Lage dies erlaubt, während der restliche universitäre Betrieb ohne Präsenz abgehalten wird.

Stattdessen werden wir uns darauf beschränken euch mit Filmtipps und legalen Streaming-Angeboten zu versorgen, um eure Zeit im Heimkino erträglicher zu machen.

Da die Kinostarts vieler neuer Filme verschoben wurden, werden wir uns im Wintersemester darüber beraten, welche Filme aus dem geplanten Programm wir weiter übernehmen werden. Auch die Kooperationen werden, soweit möglich, ins kommende Semester verschoben.

Wir freuen uns auf einen frischen Start im Wintersemester!

Damit ihr euch in eurer Freizeit noch ein bisschen mehr mit Corona beschäftigen könnt, machen wir uns stetig Gedanken über passende filmische Begleitung eurer Quarantäne:

 

Rapunzel - Neu Verföhnt (2010)

In der Wohnung eingesperrt für zwei Wochen? Lächerlich, würde Rapunzel da sagen! Seit ihrer Kindheit wird sie von ihrer Mutter eingesperrt und dort hat sie einen sehr routinierten Tagesablauf, an dem wir uns alle ein Beispiel nehmen können. Weniger Beispielhaft ist da ihre Flucht aus der sicheren Zone - aber sie tut alles, um einem draußen liegenden Geheimnis auf die Spur zu kommen.

-JP-

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Raum (2015)

Während seine Mutter deutlich unter dem Leben in Gefangenheit leidet, erkennt Jack die Schönheit von "Raum". "Raum" ist der Ort, in dem man ihn und seine Mutter einsperrt, der Ort an dem Jack geboren ist. Wer, wenn nicht Jack, könnte uns lehren, wie wir das Schöne in unserem ganz persönlichen "Raum" finden können. So sollten auch wir jeden Morgen seiner Routine folgen: "Guten Morgen Lampe, guten Morgen Pflanze, guten Morgen Eierschlange [falls vorhanden], guten Morgen Teppich, guten Morgen Schrank, guten Morgen Fernseher [Unser wichtigster Retter in der Not!], guten Morgen Waschbecken, guten Morgen Toilette..."

Die meisten von uns können sich sogar glücklich schätzen, ganze Fensterfronten zu besitzen, die uns Bilder vom sagenumwobenen "Draußen" zeigen; einem unfassbar großen Ort an dem früher einmal Menschen frei herumliefen, wenn Fernseher nicht lügt.

-RL-

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Misery (1990)

Nach einem Autounfall in einem Schneesturm wird der Autor Paul Sheldon von Annie Wilkes, seinem größten Fan, gerettet. Als sie sein neues Buch liest, mit dem sie gänzlich unzufrieden ist, fordert sie ein, dass er ein neues Buch nach ihren Vorstellungen schreibt, während sie sich um seine Verletzungen kümmert. Allerdings scheint es immer unwahrscheinlicher zu werden, dass die von ihm besessene Annie ihn jemals aus ihrer Pflege entlassen wird.

Während Stephen King mit der literarischen Vorlage seine Alkohol- und Kokainsucht verarbeitete, die ihn ebenfalls gefangen hielt und zum Schreiben einer bestimmten Art von Romanen zwang, werden wir natürlich durch andere Umstände gefangen gehalten. Im Gegensatz zu Paul sollten wir nicht darum kämpfen, unsere Wohnung verlassen zu können, aber auch wir müssen uns in unserer Isolation der Sucht stellen. Sei es das abendliche Bier, das uns reizt, weil sonst nichts zu tun ist, der Fernseher oder Computer, der uns zu immer mehr Entertainment zwingt, oder eine andere Suchtquelle.
Trotzdem liegt auch ein hoffnungsvolles Bild in diesem Mann, der gezwungen wird, vor seiner Schreibmaschine zu sitzen und zu schreiben. Endlich haben wir Zeit all das zu erledigen, wozu wir sonst nicht kommen. Endlich können wir uns entscheiden, ob wir uns der Sucht und den Gewohnheiten hingeben oder die Gelegenheit nutzen, produktiv und kreativ zu arbeiten. Vielleicht ist die Quarantäne eine große Chance.

-RL-

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Der Schacht [El Hoyo] (2019)

Passend zu den Hamsterkäufen, die wir noch immer erleben müssen, präsentiert uns Netflix nun einen Film über hierarchisierten Konsum. In einer dystopischen Zukunft befinden sich Gefangene in einem Schacht, in dem ein Aufzug mit einem großzügigen Buffet von oben nach unten fährt. Auf jeder Etage befinden sich zwei Gefangene, die einmal im Monat auf eine zufällig hohe Ebene transportiert werden. Die einzige Nahrungsquelle besteht durch die Plattform - oder im Zweifelsfall den Zellenpartner.
Das leicht trashige und doch intelligente Gedankenexperiment à la "Snowpiercer" kann uns gerade jetzt eine Lehre sein. Schreibt uns bitte, wenn ihr noch Klopapier über habt.

-RL-

Verfügbar auf Netflix

 

 

Call Me by Your Name (2017)

Was hat Elio Perlmans (Thimothée Chalamet) Urlaub in Norditalien mit der momentanen Lage in Deutschland gemeinsam?
Es ist die perfekte Zeit, um in der Sonne zu sitzen und ein Buch zu lesen.
Genau darauf weckt dieser Film die Lust und lässt uns in der kommenden sonnigen Woche unter Abstandshaltung in die Parks ausrücken, auch wenn wir uns das regelmäßige Schwimmen wohl ersparen müssen.

Ein Liebesfilm ohne Kitsch
Ein Drama ohne Antagonisten
Ein Italien-Urlaub vorm Fernseher

-RL-

Verfügbar auf Netflix
oder für 5,99€ bei Amazon

 

 

 

 

Filmduos zum Mord an George Floyd: 

 

American History X & Kriegerin
zeigen die Entstehung von Hass und wie er sich wandelt.

Training Day & Nächster Halt: Fruitvale Station
erzählen von Polizisten, die zusammenhalten - und den Konsequenzen.

Get Out & Wir
zeigen Rassismus in seiner unterschwelligen Form - bis er metaphorisch eskaliert.

Green Book & BlacKkKlansman
erarbeiten sich Gleichheit durch Freundschaft und Protest.

Gran Torino & Selma
vermitteln den inneren und den gesellschaftlichen Kampf gegen Rassismus.

 

 

 

 

Jodorowsky´s Dune:

In Zeiten von Corona und einer möglichen zweiten Welle präsentiert uns Arte eine Dokumentation, die sich für alle Filmliebhaber lohnt, und die mit ihrer einzigartigen Geschichte dazu anspornt auch selbst die Zeit zu nutzen und kreativ zu werden.

Viele von uns haben wohl von Frank Herberts Roman über den Wüstenplaneten gehört, welcher 1984 von David Lynch verfilmt wurde. Weniger bekannt ist vielleicht die Geschichte vom chilenischen Regisseur Alejandro Jodorowsky, der dies bereits vorher versuchte. Die Dokumentation "Jodorowsky´s Dune" erzählt von der wahnsinnigen Vision dieses inspirierenden Mannes, der als surrealistischer Regisseur den größten Film aller Zeiten erschaffen wollte, der das Bewusstsein der Zuschauer wie LSD verändern sollte, um sie zu erleuchten. Unter anderem gehörte ein für den Film geplantes Pink Floyd Album, Salvador Dali als bestbezahltester Schauspieler Hollywoods, die Kunst von HR Giger und Orson Welles als schwebender Fett-Baron zum Setup des Films. Auch die geplante Länge von etwa 20 Stunden war für einen Film in dieser Zeit wohl eher ungewöhnlich.

Die Dokumentation erzählt von einer unvergleichbaren filmischen Vision, die als der beste Film, der niemals gedreht wurde, in die Geschichte eingehen sollte und auch ohne Umsetzung einen unglaublichen Einfluss auf das Science-Fiction Genre haben sollte. Nun bleibt gespannt abzuwarten, wie sich die Dune-Version von Denis Villeneuve präsentieren wird, der seit  "Prisoners", "Enemy", "Sicario", "Arrival" und "Blade Runner 2049" zu den ganz Großen gezählt werden kann.

Bis zum 07.09.2020 verfügbar in der Arte Mediathek.

Bleibt gesund!

 

 


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