Studienkreis film

Das Kino der Ruhr-Universität Bochum

 

Der Horrorctober 2020:

 

Es geht wieder auf Halloween zu und wir wollen euch einige Tipps mitgeben, die viel zu schnell in Vergessenheit zu geraten drohen.

 

Sicherlich gibt es unzählige Horror-Klassiker, die perfekt zur kommenden Jahreszeit passen, doch sollten wir dabei nicht vergessen, dass sich das Genre immer weiterentwickelt und wohl nie so vielseitig war wie heutzutage. In unseren 13 Filmtipps bis Halloween finden sich möglichst aktuelle Filme, die mit ihren frischen Ideen das Genre am Leben erhalten und außerdem noch nicht von jedem gesehen worden sind. Denn während der Horror durch Ari Aster und Jordan Peele gerade in aller Munde ist, bekommen nicht alle Filme die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

 

Seid jedoch gewarnt: Während uns The Descent mit in psychische Abgründe zieht, die zunächst eindeutig dem Horrorgenre zuzuordnen sind, präsentieren sich die Schrecken der späteren Filme in der Liste sehr viel abstrakter als die Monster, an die wir uns gewöhnt haben und stellen die Frage auf, ob nicht jeder gute Horrorfilm eigentlich ein Drama sein muss.

 

Wer es schafft, sich bis Halloween durch die Liste zu arbeiten, hat eine wilde Reise durch den modernen Horrorfilm erfahren und wird in A Ghost Story verstehen, wie weit sich selbst das ausgelutschte Klischee des Geistes unter einem Bettlaken von bekannten Wegen entfernen kann, um etwas völlig einzigartiges zu schaffen.

 

Im Laufe des Monats werden einzelne Beiträge folgen, welche euch die Filme hoffentlich schmackhaft machen können.

1. 

 

Der Horrorctober beginnt mit "The Descent - Abgrund des Grauens".

 

Kommt mit uns in die Höhle. Ihr werdet finden, was ihr erwartet, werdet euch darin verlieren. Sarah hat harte Zeiten hinter sich, seit dem Autounfall, sie braucht Ablenkung, also begleitet sie. Lasst uns gemeinsam absteigen, immer tiefer – tiefer. Dort ist es dunkel und eng, wir werden krabbeln müssen, aber wir passen durch diesen Tunnel, lasst es uns einfach tun. Es wird unsere Freundschaft testen. Vielleicht bringt es uns wieder näher zusammen? Und unseren Orientierungssinn, aber macht euch keine Sorgen, immerhin ist dieses Höhlensystem doch schon bereits gut erkundet.

 

Auch wenn „The Descent – Abgrund des Grauens“ ein finanziell erfolgreicher Film war, gerät er in Vergessenheit und wird es wohl nicht zu einem echten Klassiker schaffen. Allerdings gelingt es keinem anderen Film, eine so intensive Klaustrophobie zu vermitteln und die Dunkelheit so klug zur Inszenierung der Szenen zu nutzen. The Descent ist ein Film, der sein Subgenre gemeistert hat. Dabei nimmt er sich Zeit, um die Spannung stilvoll und langsam immer weiter aufzubauen. Im Laufe des Abstiegs wird uns die Lage immer klarer und erst, wenn alles hoffnungslos erscheint, kommt es noch schlimmer.

 

Es wird empfohlen sich den Trailer nicht vorher anzuschauen.

 

 

 

2.

 

Mit dem Tanz-Horrorfilm "Suspiria" von Luca Guadagnino (u.a.: "Call Me by Your Name") nimmt der Horrorctober Fahrt auf.

 

Endlich hat Susie aus Ohio es geschafft, an der anerkannten Helena-Markos Tanzakademie in Berlin angenommen zu werden. Schnell zieht sie dort durch ihr Talent die Aufmerksamkeit der Schulleiterin auf sich, die ihr großes Vorbild ist. Als Susie jedoch bemerkt, dass Mädchen aus der Akademie verschwinden, beginnt sie zu hinterfragen, was es mit dieser Institution tatsächlich auf sich hat.

 

Suspiria zeigt uns eine neue Version eines alten Stereotypen mächtiger Frauen, deren Einflussnahme sich nun im Tanz manifestiert und die Zuschauer in rauschhafte Zustände versetzt. Die Akademie ist ein Ort der weiblichen Selbstbestimmung und Kraft, welcher durch die Frage nach Macht durchzogen ist. Auch wenn das Setting es vielleicht nicht direkt erwarten lässt, kommen hier Horrorfans auf ihre Kosten, wenn sie die Bereitschaft mitbringen, sich geduldig in diesen außergewöhnlichen Ort einführen zu lassen und seine Ästhetik zu akzeptieren.

 

Im Gegensatz zum farbenfrohen surrealistischen Klassiker von Dario Argento, zeigt das Remake eine triste Darstellung Berlins im deutschen Herbst der 70er Jahre. Anstatt das Original zu reproduzieren, wagt Guadagnino sich hier an eine völlig neue Herangehensweise. Die zahlreichen Mysterien des Films verstecken sich hinter den Wänden, Spiegeln, Böden der Akademie und der Tanz wird zu einem Element des Horrors, wie man ihn so noch nicht erlebt hat.

 

Der Trailer enthält leichte Spoiler.

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=BY6QKRl56Ok

 

 

3.

 

Warum müssen die Opfer im Film vom Mörder getötet werden?

Weil der Zuschauer es sehen will!

 

Mit "Funny Games" von 1997 präsentieren wir euch den ältesten Film der Horrorctober 2020 Liste, der seine Aktualität aber nie verlieren wird.

 

"Funny Games " ist ein Horrorfilm über zwei junge Männer, die sich von einer Familie in einem Ferienhaus vier Eier erbitten wollen. Während die Stimmung in der Konversation langsam immer unangenehmer wird, muss die Familie erkennen, dass die beiden Männer das Haus höchst ungern wieder verlassen wollen. Auch wenn die beiden in ihrer zynischen Höflichkeit undurchsichtig auftreten, zeigt sich schon bald, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Gewalt ihren Höhepunkt erreicht.

 

Immer wieder lässt der Regisseur Michael Haneke in „Funny Games“ die vierte Wand durchbrechen, indem der Zuschauer von den jungen Männern direkt angesprochen wird. In seinem Anti-Horrorfilm regt Haneke somit zur Reflexion über unseren Konsum von Gewalt an und nutzt dazu noch nie gesehene erzählerische Mittel. Fraglich ist dabei, ob er mit diesem Ansatz gescheitert ist, denn die Gewalt in „Funny Games“ regt zwar durch ihre Kompromisslosigkeit zum Nachdenken an, ist aber gleichzeitig durch ihre neuartige Inszenierung unglaublich faszinierend.

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=bH2HS6uWIhQ

 

„Funny Games“ (1997) kann momentan kostenlos bei „Amazon Prime Video“ und „Joyn“ gestreamt werden.

 

 

4.

 

Was wäre Halloween ohne Hexen? Mit „Hagazussa“ präsentieren wir euch in unserem Horrorctober ein altertümliches Bild dieses bekannten Archetypen.

 

Der Tod ihrer Mutter lässt die junge Ziegenhirtin Albrun traumatisiert und allein zurück. In der idyllischen Alpenlandschaft des 15. Jahrhunderts vergehen 20 Jahre, bis auch sie selbst Mutter wird. Während sie von der Dorfgemeinschaft als Hexe gesehen und ausgegrenzt wird, beginnt sie eine düstere Präsenz in den Wäldern wahrzunehmen, die sie anzieht. Für Albrun beginnen die Grenzen der Realität zu verschwimmen.

 

„Hagazussa“ ist authentisch, grausam, eklig, ästhetisch, still.

Die rar gesäten Dialoge und die geduldig langatmige Kamera, die es uns nicht erlaubt, unseren Blick von den grausamen Szenen abzuwenden, erschaffen ein intensives Unbehagen, wenn man es schafft, sich auf die Langsamkeit des Films einzulassen und das Grauen in sich aufzusaugen. Was "Hagazussa" präsentiert, wirkt nicht wie spaßig-schockende Unterhaltung, sondern wie eine Darstellung menschlicher Urängste.

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=T1-gcr_RTqY&feature=emb_title&fbclid=IwAR0IYx2csOGalnZgCvpI7cZFEpZncTkyhPRcn8ejMutaKgvz161WRknICK0

 

„Hagazussa – Der Hexenfluch“ kann momentan kostenlos bei Netflix gestreamt werden. Aufgrund der österreichischen Sprachausgabe, sind deutsche Untertitel sinnvoll.

 

 

5.

 

Mit "Creep" präsentieren wir euch einen ungewöhnlichen und innovativen Horrorfilm, der sich vollkommen auf seine Darstellerleistungen verlässt.

 

Der unerfolgreiche Filmemacher Aaron geht einem Auftrag von Craigslist nach und trifft auf Joseph, der an einem Gehirntumor leidet und möchte, dass Aaron seinen Alltag filmt, damit Josephs noch ungeborener Sohn sich später einmal ansehen kann, wie sein Vater war. Durch die Perspektive von Aarons Kamera versuchen wir Zuschauer die Situation richtig einzuschätzen und bekommen es dabei immer mehr mit der Angst zu tun.

 

„Creep“ zeigt, was im found footage Horror möglich ist.

Angelehnt an Filme wie „My Dinner with Andre“ oder „Misery“ zeigen Brice und Duplass, welche die beiden einzigen Rollen im Film spielen, wie allein durch Dialoge und Mimik eine intensive Atmosphäre aufgebaut werden kann.

Mit seinen knackigen 77 Minuten Laufzeit reißt „Creep“ uns mit sich und lässt keine ruhigen Momente zu.

 

 

„Creep“ kann momentan kostenlos bei Netflix gestreamt werden.

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=FBR8VcdpE4Y Der Trailer enthält Spoiler zum Ausgang des Films.

 

 

6.

 

Zur Horrorctober-Halbzeit präsentieren wir euch mit Lars von Triers "The House That Jack Built" eine Reflektion über den modernen Horrorfilm und die Ästhetik der Gewalt.

 

Nack Jacks Tod wird er von Verge durch die verschiedenen Kreise der Hölle geführt und erzählt ihm von den bedeutsamsten Morden, die er in seinem Leben begangen hat. Zwischen den beiden entsteht ein Dialog über Architektur, Philosophie, Geschlechterrollen und Moral.

 

Lars von Trier zeigt mit Jack und Vergil seinen Konflikt mit sich selbst. Themen wie beispielsweise die Ästhetik von Vernichtungslagern, der Mord an Kindern und die Verstümmelung von Tieren, bieten Sprengstoff für diese kontroverse und provozierende Auseinandersetzung mit der Moral in der Kunst, die uns hinterfragen lässt, was wir an der Gewalt faszinierend und ästhetisch finden.

 

Während „The House That Jack Built“ nichts für schwache Nerven ist, ist er gleichzeitig die interessanteste Reflexion über den Horrorfilm seit „Funny Games“.

 

So sieht absolute Kunstfreiheit aus, ob wir sie wollen oder nicht!

 

„The House That Jack Built“ kann momentan kostenlos bei Amazon Prime gestreamt werden.

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=notUzXxAxKw

 

 

7. 

 

Ein Autor und seine jüngere Frau leben in einem abgeschiedenen Landhaus. Die anscheinende Idylle bricht jedoch schnell, als er beginnt, fremden Menschen Einlass zu gewähren, die gar nicht mehr aus dem Haus zu verschwinden scheinen. Als diese jedoch auch noch ihre Kinder dazu holen, deren Streitereien im Totschlag enden, ist die Harmonie im Landhaus endgültig verloren – und die Lage scheint sich nicht zu bessern.

 

Wie so oft steckt hinter diesem Darren Aronofsky („Requiem for a Dream“, „Black Swan“) Projekt mehr als nur eine mysteriöse und spannende Horrorgeschichte. „Mother!“ ist eine Allegorie auf das menschliche Leben, wobei es euch selbst überlassen sein sollte herauszufinden, wie genau Aronofsky dieses hier darstellen möchte.

 

„Mother!“ kann momentan kostenlos bei Netflix gestreamt werden.

 

Der Trailer spoilert nicht die Mysterien des Films, allerdings einige finale Situationen.

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=lztIPUb_ER8

 

 

8.

 

Alice ist ein Camgirl. Angetrieben davon, irgendwann einmal in den Top50 bei FreeGirlsLive zu landen, erwarten manche ihrer Fans immer heftigere Aktionen von ihr, während andere sich private emotionale Zuwendungen von ihr wünschen, die ihr Privatleben immer mehr beeinflussen, bis ihr Leben durch eine Streamerin, die genau so aussieht wie Alice, außer Kontrolle gerät.

 

„Cam“ ist ein interessantes Erstlingswerk mit einer einzigartigen Ästhetik und wagt sich als Horrorfilm an eine Reflexion über die Pornoindustrie heran, aus der die Drehbuchautorin selbst ursprünglich stammt. Dabei behandelt „Cam“ den Erfolg und seine Voraussetzungen, sowie die Angst, jederzeit ersetzt werden zu können.

 

Cam kann momentan kostenlos bei Netflix gestreamt werden.

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=pN8xZ5WDonk&feature=emb_title

 

 

9.

 

Mit "The Killing of a Sacred Deer" präsentieren wir euch den ernsthaftesten Film von Giorgos Lanthimos, der vor Allem durch seine Satiren "Dogtooth" und "The Lobster" bekannt wurde.

 

Der Herzchirurg Steven führt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern Kim und Bob ein erfülltes Familienleben. Als er den jungen Martin, dessen Vater in einer von Stevens Operationen verstorben ist, immer näher an sich und seine Familie heranlässt und Bob aus dem Nichts eine Querschnittslähmung erleidet, bahnt sich eine Katastrophe an, die eine unmögliche Entscheidung von Steven erfordert.

 

Als an den Mythos um Iphigenie angelehnte Horrorgeschichte über Schuld und Rache zieht der Film uns mit seinen unangenehm eigenartigen Charakteren in verstörender Ruhe behutsam in einen sich immer weiter öffnenden Abgrund der menschlichen Psyche.

 

„The Killing of a Sacred Deer“ kann momentan kostenlos über den Arthouse CNMA Channel bei Amazon Prime angesehen werden.

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=r1Nc00NUcQg 

 

 

10.

 

Mit "Raw" präsentieren wir euch ein brutales und ekelerregendes Coming-of-Age Horrordrama. An einer belgischen Universität beginnt die Vegetarierin Justine ihr Tiermedizin Studium. Unerwartet muss sie sich dort aber zunächst mit zahlreichen Aufnahmeritualen wie dem Übergießen mit Tierblut und dem Essen einer rohen Hasenniere auseinandersetzen. Trotz dieser traumatischen Erlebnisse stellt sie fest, dass sich in ihr ein immer stärkeres Bedürfnis entwickelt, rohes Fleisch zu essen.

 

„Raw“ ist mehr als ein brutaler und Übelkeit erregender Horrorfilm, denn Justines Erstsemester ist vor Allem eine Coming-of-Age Geschichte. Angetrieben durch unangenehme neue Erfahrungen muss Justine sich selbst finden, auch wenn sie dadurch erkennen muss, dass sie für diese Gesellschaft nicht verträglich ist.

 

"Raw" kann momentan bei verschiedensten Anbietern für ca. 4€ ausgeliehen werden.

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=wvZ6nB3cl1w&feature=emb_title

 

 

11.

 

Mit "Climax" präsentieren wir euch einen Film, der wie auch schon "Suspiria", den Tanz zu einem Element des Horros macht.

 

 

21 diverse junge Tänzer proben in einer Turnhalle ihre Choreographie für die nächste Tournee. Sie feiern und trinken, doch irgendjemand hat LSD in den Sangría gemixt. Durch die Isolation am Ort und den unerwarteten Trip, entwickelt sich ein Horrorszenario.

 

Anstatt Schauspieler zu engagieren, wählte Gaspar Noé für seinen Film Tänzer und anstatt eines Drehbuchs ließ er die Darsteller Szenen improvisieren.

Damit erzeugt er eine fiebrige Achterbahnfahrt auf LSD durch irre Tanzchoreographien, verzweifelte Gewaltspitzen und kaleidoskopartig verschlungene Körper.

Anstatt die Handlung zu fokussieren, nimmt Noé uns mit auf einen durchtrieben bunten Horrortrip.

 

"Climax" kann momentan bei Netflix gestreamt werden.

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=6XkpRZgcInE

 

 

12.

 

Mit "Under the Skin" präsentieren wir euch ein einzigartiges filmisches Experiment. Ein Wesen in der Gestalt von Scarlett Johansson reist mit einem Lieferwagen durch Schottland, verführt Männer und lässt sie in einem Schwarzen Nichts vergehen. Während sie sich auf ihrer Mission mit den Menschen auseinandersetzt, beginnt sie langsam ein Verständnis für sie aufzubauen.

 

„Under the Skin“ ist ein experimenteller Horrorfilm, der das Mysteriöse und Unerklärbare als Basis unserer Reflexion nutzt. Durch die ästhetische Zerstreuung, die der Film in uns erzeugt, eröffnet er uns die Wahrnehmung des Unausgesprochenen. Ein Film über Körperlichkeit, Fremdheit und das, was den Menschen ausmacht.

 

"Under the Skin" kann momentan für 3-4€ bei verschiedenen Anbietern ausgeliehen werden.

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=7S1yhSp5jaI

 

 

13.

 

Wir beenden unseren Horrorctober2020 mit einem der traurigsten Filme aller Zeiten, der eigentlich längst kein Horrorfilm mehr ist, und auf jeder Halloween Party (momentan hoffentlich sowieso kein Thema) schlechte Laune garantieren würde.

 

Ein Musiker lebt mit seiner Frau in einem kleinen Haus in Texas und sie sprechen darüber auszuziehen. Trotz der unerklärbaren Geräusche im Haus, möchte er es nicht verlassen und gibt erst am Abend vor seinem tödlichen Autounfall nach. Er verwandelt sich in einen Geist und beobachtet das Leben seiner Frau, bis sich diese entscheidet umzuziehen.

Er jedoch bleibt.

 

„A Ghost Story“ als Horrorfilm zu bezeichnen, wäre irreführend. Auch wenn der Film sich teilweise am Horror-Genre orientiert, fokussiert er sich auf die Darstellung von tiefer Traurigkeit und Einsamkeit. Mit seiner ruhigen, stillstehenden und unglaublich intimen Inszenierung, reflektiert er die zwei gleichwertig niederschmetternden existenziellen Möglichkeiten der Endlichkeit und Unendlichkeit.

 

"A Ghost Story" kann momentan für 4€ bei verschiedenen Anbietern ausgeliehen werden.

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=bqOkS4Ud4gA

 

 

 

Das war unser Horrorctober 2020! Wir hoffen, dass ihr einige Filmtipps mitnehmen konntet, von denen ihr bisher nicht nichts gehört habt.

 

 

 

 

Liebe Kinofreunde,

 

aufgrund der Corona-Krise haben wir uns entschlossen, unseren Betrieb im Sommersemester 2020 nicht mehr aufzunehmen, auch wenn sich die Lage lockert. Wir denken, dass es unvernünftig von uns wäre unsere Türen zu öffnen, sobald die rechtliche Lage dies erlaubt, während der restliche universitäre Betrieb ohne Präsenz abgehalten wird.

Stattdessen werden wir uns darauf beschränken euch mit Filmtipps und legalen Streaming-Angeboten zu versorgen, um eure Zeit im Heimkino erträglicher zu machen.

Da die Kinostarts vieler neuer Filme verschoben wurden, werden wir uns im Wintersemester darüber beraten, welche Filme aus dem geplanten Programm wir weiter übernehmen werden. Auch die Kooperationen werden, soweit möglich, ins kommende Semester verschoben.

Wir freuen uns auf einen frischen Start im Wintersemester!

Damit ihr euch in eurer Freizeit noch ein bisschen mehr mit Corona beschäftigen könnt, machen wir uns stetig Gedanken über passende filmische Begleitung eurer Quarantäne:

 

Rapunzel - Neu Verföhnt (2010)

In der Wohnung eingesperrt für zwei Wochen? Lächerlich, würde Rapunzel da sagen! Seit ihrer Kindheit wird sie von ihrer Mutter eingesperrt und dort hat sie einen sehr routinierten Tagesablauf, an dem wir uns alle ein Beispiel nehmen können. Weniger Beispielhaft ist da ihre Flucht aus der sicheren Zone - aber sie tut alles, um einem draußen liegenden Geheimnis auf die Spur zu kommen.

-JP-

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Raum (2015)

Während seine Mutter deutlich unter dem Leben in Gefangenheit leidet, erkennt Jack die Schönheit von "Raum". "Raum" ist der Ort, in dem man ihn und seine Mutter einsperrt, der Ort an dem Jack geboren ist. Wer, wenn nicht Jack, könnte uns lehren, wie wir das Schöne in unserem ganz persönlichen "Raum" finden können. So sollten auch wir jeden Morgen seiner Routine folgen: "Guten Morgen Lampe, guten Morgen Pflanze, guten Morgen Eierschlange [falls vorhanden], guten Morgen Teppich, guten Morgen Schrank, guten Morgen Fernseher [Unser wichtigster Retter in der Not!], guten Morgen Waschbecken, guten Morgen Toilette..."

Die meisten von uns können sich sogar glücklich schätzen, ganze Fensterfronten zu besitzen, die uns Bilder vom sagenumwobenen "Draußen" zeigen; einem unfassbar großen Ort an dem früher einmal Menschen frei herumliefen, wenn Fernseher nicht lügt.

-RL-

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Misery (1990)

Nach einem Autounfall in einem Schneesturm wird der Autor Paul Sheldon von Annie Wilkes, seinem größten Fan, gerettet. Als sie sein neues Buch liest, mit dem sie gänzlich unzufrieden ist, fordert sie ein, dass er ein neues Buch nach ihren Vorstellungen schreibt, während sie sich um seine Verletzungen kümmert. Allerdings scheint es immer unwahrscheinlicher zu werden, dass die von ihm besessene Annie ihn jemals aus ihrer Pflege entlassen wird.

Während Stephen King mit der literarischen Vorlage seine Alkohol- und Kokainsucht verarbeitete, die ihn ebenfalls gefangen hielt und zum Schreiben einer bestimmten Art von Romanen zwang, werden wir natürlich durch andere Umstände gefangen gehalten. Im Gegensatz zu Paul sollten wir nicht darum kämpfen, unsere Wohnung verlassen zu können, aber auch wir müssen uns in unserer Isolation der Sucht stellen. Sei es das abendliche Bier, das uns reizt, weil sonst nichts zu tun ist, der Fernseher oder Computer, der uns zu immer mehr Entertainment zwingt, oder eine andere Suchtquelle.
Trotzdem liegt auch ein hoffnungsvolles Bild in diesem Mann, der gezwungen wird, vor seiner Schreibmaschine zu sitzen und zu schreiben. Endlich haben wir Zeit all das zu erledigen, wozu wir sonst nicht kommen. Endlich können wir uns entscheiden, ob wir uns der Sucht und den Gewohnheiten hingeben oder die Gelegenheit nutzen, produktiv und kreativ zu arbeiten. Vielleicht ist die Quarantäne eine große Chance.

-RL-

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Der Schacht [El Hoyo] (2019)

Passend zu den Hamsterkäufen, die wir noch immer erleben müssen, präsentiert uns Netflix nun einen Film über hierarchisierten Konsum. In einer dystopischen Zukunft befinden sich Gefangene in einem Schacht, in dem ein Aufzug mit einem großzügigen Buffet von oben nach unten fährt. Auf jeder Etage befinden sich zwei Gefangene, die einmal im Monat auf eine zufällig hohe Ebene transportiert werden. Die einzige Nahrungsquelle besteht durch die Plattform - oder im Zweifelsfall den Zellenpartner.
Das leicht trashige und doch intelligente Gedankenexperiment à la "Snowpiercer" kann uns gerade jetzt eine Lehre sein. Schreibt uns bitte, wenn ihr noch Klopapier über habt.

-RL-

Verfügbar auf Netflix

 

 

Call Me by Your Name (2017)

Was hat Elio Perlmans (Thimothée Chalamet) Urlaub in Norditalien mit der momentanen Lage in Deutschland gemeinsam?
Es ist die perfekte Zeit, um in der Sonne zu sitzen und ein Buch zu lesen.
Genau darauf weckt dieser Film die Lust und lässt uns in der kommenden sonnigen Woche unter Abstandshaltung in die Parks ausrücken, auch wenn wir uns das regelmäßige Schwimmen wohl ersparen müssen.

Ein Liebesfilm ohne Kitsch
Ein Drama ohne Antagonisten
Ein Italien-Urlaub vorm Fernseher

-RL-

Verfügbar auf Netflix
oder für 5,99€ bei Amazon

 

 

 

 

Filmduos zum Mord an George Floyd: 

 

American History X & Kriegerin
zeigen die Entstehung von Hass und wie er sich wandelt.

Training Day & Nächster Halt: Fruitvale Station
erzählen von Polizisten, die zusammenhalten - und den Konsequenzen.

Get Out & Wir
zeigen Rassismus in seiner unterschwelligen Form - bis er metaphorisch eskaliert.

Green Book & BlacKkKlansman
erarbeiten sich Gleichheit durch Freundschaft und Protest.

Gran Torino & Selma
vermitteln den inneren und den gesellschaftlichen Kampf gegen Rassismus.

 

 

 

 

Jodorowsky´s Dune:

In Zeiten von Corona und einer möglichen zweiten Welle präsentiert uns Arte eine Dokumentation, die sich für alle Filmliebhaber lohnt, und die mit ihrer einzigartigen Geschichte dazu anspornt auch selbst die Zeit zu nutzen und kreativ zu werden.

Viele von uns haben wohl von Frank Herberts Roman über den Wüstenplaneten gehört, welcher 1984 von David Lynch verfilmt wurde. Weniger bekannt ist vielleicht die Geschichte vom chilenischen Regisseur Alejandro Jodorowsky, der dies bereits vorher versuchte. Die Dokumentation "Jodorowsky´s Dune" erzählt von der wahnsinnigen Vision dieses inspirierenden Mannes, der als surrealistischer Regisseur den größten Film aller Zeiten erschaffen wollte, der das Bewusstsein der Zuschauer wie LSD verändern sollte, um sie zu erleuchten. Unter anderem gehörte ein für den Film geplantes Pink Floyd Album, Salvador Dali als bestbezahltester Schauspieler Hollywoods, die Kunst von HR Giger und Orson Welles als schwebender Fett-Baron zum Setup des Films. Auch die geplante Länge von etwa 20 Stunden war für einen Film in dieser Zeit wohl eher ungewöhnlich.

Die Dokumentation erzählt von einer unvergleichbaren filmischen Vision, die als der beste Film, der niemals gedreht wurde, in die Geschichte eingehen sollte und auch ohne Umsetzung einen unglaublichen Einfluss auf das Science-Fiction Genre haben sollte. Nun bleibt gespannt abzuwarten, wie sich die Dune-Version von Denis Villeneuve präsentieren wird, der seit  "Prisoners", "Enemy", "Sicario", "Arrival" und "Blade Runner 2049" zu den ganz Großen gezählt werden kann.

Bis zum 07.09.2020 verfügbar in der Arte Mediathek.

Bleibt gesund!

 

 


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